Pädagogische Konzeption

  • Theoretische Grundlagen der Konzeption

    Elemente aus verschiedenen pädagogischen Konzepten fließen in unsere Konzeption mit ein. Dies erlaubt uns sowohl flexibel auf die Bedürfnisse und Lernprozesse der Kinder, als auch auf die Wünsche der Eltern einzugehen. In erster Linie werden die theoretischen Hintergründe der Konzeption vorgestellt, wodurch die grundlegende Haltung der pädagogischen Arbeit ersichtlich werden soll.

    Von großer Bedeutung ist in unserer Arbeit der Umgang mit Verschiedenheit. „Gemeinschaftsfähigkeit schließt die Fähigkeit zur Anerkennung von Verschiedenheit und die Fähigkeit zu einem anerkennendem Umgang mit Verschiedenheit ein.“ (Orientierungsplan Baden-Württemberg 2005: S. 17). Jedes Kind hat von Anfang an, eigene Rechte und vollzieht die für seine Entwicklung und Entfaltung notwendigen Schritte durch eigene Aktivität. „Durch seine Aktivität entwickelt sich das Kind und wird erwachsen.“ (Maria Montessori 2011: S. 52)

    Bildung wird in unserer Arbeit als ein individueller Prozess verstanden. „Bildung beginnt mit der Geburt… Bildung dauert das ganze Leben.“ (Orientierungsplan Baden Württemberg: S. 21)

    Kinder machen sich selbst ein Bild von der Welt (Selbstbildung) und entwickeln innere Strukturen, auf denen alles spätere Denken, Fühlen und Handeln der Kinder aufbauen wird. Sie dürfen in ihrer Entwicklung eigene Wege gehen. “Kinder wollen lachen, rennen, übermütig sein.“ (Korczak 1999: S. 187) „

    Wir wissen, dass kindliches Lernen durch Erfahrung und Erprobung geschieht: Begreifen im konkreten Handeln und Erproben.“ (Daniela Braun 2007: S. 84)

    Dem Situationsansatz wird die Grundlage der pädagogischen Arbeit, insbesondere die individuelle Lebenssituation des Kindes in den Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit zu stellen, entnommen.(vgl. Gerald Siegert (pdf.): S. 21)

    Die pädagogischen Ziele – Autonomie, Solidarität, Kompetenz – orientieren sich an den demokratischen Grundwerten und gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie umfassen wesentliche Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung – der Ich-, Sozial- und Sachkompetenz. (Institut für den Situationsansatz)

    Bei der Kleinkindpädagogik orientieren wir uns am Konzept von Emmi Pickler. „Emmi Pikler vertrat die Ansicht, die Persönlichkeit eines Kindes könne sich dann am besten entfalten, wenn es sich möglichst selbstständig entwickeln darf. Aufgabe der Erwachsenen sei es, dem Kind Geborgenheit in sicheren, stabilen Beziehungen zu vermitteln und seine Umgebung so zu gestalten, dass das Kleinkind entsprechend seinem individuellen Entwicklungsstand selbstständig aktiv werden könne. Daher umfassen die vier Prinzipien der Pikler Pädagogik:

    ● Respekt vor der Eigeninitiative des Kindes und die Unterstützung seiner selbstständigen Tätigkeit,

    ● Unterstützung einer stabilen persönlichen Beziehung des Kindes zu relativ wenigen, aber vertrauten Bezugspersonen,

    ● Bestreben, dass sich jedes Kind angenommen und anerkannt fühlt,

    ● Förderung des optimalen körperlichen Wohlbefindens und der Gesundheit des Kindes.

    Um das zu erreichen, sind nach der Pikler-Pädagogik insbesondere drei Aspekte wichtig:

    „1. Pflege, die als behutsame körperliche Versorgung und als Kommunikation mit dem Kind geschieht und immer darauf achtet, dass das Kind nach eigenem Wunsch beteiligt wird,

    2. Bewegungsentwicklung, die das Kind aus eigenem Antrieb und nach eigenem Rhythmus macht, ohne die lenkenden und beschleunigenden Eingriffe des Erwachsenen,

    3. Spiel, das frei und ungestört in einer geschützten, altersgemäß ausgestatteten Umgebung stattfindet.“

     

    Konzept der Lernwerkstatt

    Das Konzept unserer Lernwerkstatt schließt Lernbereiche wie Mathematik, Sprache, Sinne, Musik und Kunst mit ein. In diesem Rahmen wird den Kindern ermöglicht, sich gezielt, konzentriert und in Ruhe mit einem Thema ihrer Wahl zu beschäftigen und das unabhängig vom Alter, Entwicklungsstand und Lerntempo eines Kindes. Vorhandene Kompetenzen werden erweitert und das selbständige Lernen wird gefördert. Je nach Themen-, Entwicks- und Interessenbereich der Kinder werden Materialien bereit gestellt oder ergänzt.

     

    Das Bild vom Kind

    Das Kind hat das Recht, ernstgenommen, nach seiner Meinung und seinem Einverständnis gefragt zu werden. Janusz Korczak

    Das Kind wird als eine eigenständige Persönlichkeit, mit dem Drang, Neues zu erforschen, wahrgenommen und verstanden. (vgl. Gerald Siegert (pdf.): Reggio S. 17)

    Kinder sind Akteure ihrer eigenen Entwicklung und bilden sich selbst, indem sie tätig werden, denn Kinder lernen am effektivsten aus eigenen Erfahrungen, und sie können nur aus eigenem Antrieb lernen.

    Kindheit heißt wachsen, sich und die Welt entdecken und kennenlernen. Mit dem natürlichen Bedürfnis, etwas zu können und zu wissen, erforscht das Kind seine Umgebung und baut Beziehungen zu anderen Menschen auf. In der „Ich“ Entwicklung schreitet es stets voran und die Selbständigkeit nimmt zu. Der kleine Mensch wird groß und erfahrener.

    Jedes Kind ist einzigartig und jedes Kind ist eine Bereicherung in der Gruppe.

    Jedes Kind bringt eine Lebensgeschichte mit und wir holen es dort ab, wo es steht.

  • Die Grundsätze unserer Arbeit

    Die Grundsätze unserer Arbeit lauten: Sicherheit, Liebe und Respekt Für die uns bedeutet dies
    – Wir wenden uns dem Kind liebevoll zu
    Zuwendung kann durch den Begriff Unterstützung ersetzt werden. Wir wenden uns jemanden zu, wir gehen auf die gleiche Höhe, nehmen Kontakt auf, gehen ganz auf jemanden ein. Wir hören ganz genau hin, was der andere sprachlich oder körperlich zu sagen hat. Wir nehmen den anderen in seiner Persönlichkeit ganz war. Wir respektieren und achten seine Wesenheit auch in Konfliktsituationen.
    – Wir widmen dem Kind unsere ungeteilte Aufmerksamkeit
    Das kleine Kind ist beim Wickeln, beim Anziehen und beim Essen von uns Erwachsenen abhängig. Der Ansatz von Kinderärztin Emmi Pikler geht davon aus, dass hier dem Kind die Aufmerksamkeit des Erwachsenen voll und ganz gehört. Dann wird es „satt“ an zwischenmenschlicher Zuwendung und kann so in Momenten wie in der Bewegung und im Spiel selbstständig agieren.
    – Wir bereiten die Umgebung für die freie Entwicklung des Kindes gut vor
    Um es den Kindern zu ermöglichen, sich frei zu entwickeln, sind einige räumliche Voraussetzungen nötig. Diese beinhalten z.B., dass keine Verletzungsgefahr von Möbeln und Spielzeug ausgeht. Bei der Auswahl des Spielzeuges gehen wir davon aus, dass „weniger mehr ist“. Dies gilt auch für die Gestaltung der Wände und Fenster. So wollen wir eine Reizüberflutung verhindern. Das Kind muss sich sicher fühlen.
    – Wir geben dem Kind Sicherheit bei dem Menschen, der es betreut
    Gerade bei kleinen Kindern ist es wichtig, dass ihre Betreuungspersonen nicht wechseln. Die Kinder müssen am Anfang eine stabile Beziehung zu der Fachkraft aufbauen, gleichzeitig brauchen sie auch Zeit, sich von ihrer Bezugsperson (in der Regel die Eltern) zu lösen. Dies braucht viel Verständnis und Geduld. Dabei braucht es individuelle Lösungen für jedes einzelne Kind. Auch die Eltern haben ein Recht darauf, während dieser Zeit gut begleitet zu werden. Das eigene Kind in die Hand eines anderen zu geben, ist manchmal, besonders für die Mutter, schwierig. Das gehört mit großem Respekt behandelt, damit die Eltern Vertrauen zu den im „Kindernest“ tätigen Fachkräften fassen können.
    – Wir gewährleisten eine Sicherheit im Raum
    Das Kind muss sich erst mit den für es neuen Räumlichkeiten vertraut machen, bevor es ganz ins Spiel eintauchen kann. Dazu braucht es Zeit und eine äußere Ordnung, die nicht ständig wechselt. Es muss z.B. darauf vertrauen können, dass sich bestimmte Spielsachen, solange diese im Raum sind, immer in dem gleichen Schrank befinden. Werden die Spielsachen umgeräumt, wird das Fachpersonal die Kinder vorher darauf aufmerksam machen.
    – Wir gewährleisten eine Sicherheit im Tagesablauf
    Eine gute Struktur im Tagesablauf hilft Kindern, sich zu orientieren. Es ist für Kinder sehr wichtig, sich zeitlich orientieren zu können. Unser Motto lautet daher: „WAS KOMMT WANN“: „Zuerst komme ich in die Gruppe, dann ist Spielzeit, dann ist Frühstück, dann haben wir Kinderbesprechung, dann gehen wir in den Garten, dann ist Mittagessen, dann schlafe ich, dann spiele ich und dann kommt Mama und holt mich ab.“
    – Wir „beschleunigen“ keine Entwicklungsprozesse
    Kinder benötigen außer der liebevollen Aufmerksamkeit von Erwachsenen, die sie in ihrem Tun bestätigen, eine anregende, sichere und altersgemäße Umgebung, in der sie innerhalb klarer Grenzen ihr Spiel und ihre Bewegungsfähigkeit autonom entwickeln können. Das Kind wird sich aus dem Vorhandenen das auswählen, was gerade zum jetzigen Zeitpunkt für es wichtig ist! Der Erwachsene ist dabei Beobachter, der verschiedenes vorbereitet und anbietet, aber nicht in die Entwicklungsprozesse des Kindes eingreift. Wenn z.B. ein kleines Kind anfängt zu gehen, dann nehmen wir es nicht an die Hände und führen es herum, sondern kümmern uns darum, dass es an einem sicheren Ort ungestört seine eigenen Geh-Versuche machen kann.
    – Wir begleiten alle Aktivitäten sprachlich
    Schon ein kleines Kind wird sprachlich darauf vorbereitet, was jetzt kommt: „Ich gebe dir eine neue Windel. Gleich hebe ich dich hoch und wir gehen zum Wickelplatz.“ Die Kinder werden so auf das Kommende vorbereitet. Auch wenn sie noch nicht sprechen können, so verstehen sie den Sinn des Gesagten schon. Sie können sich dann darauf einstellen und sind vorbereitet. Die sprachliche Begleitung bietet den Kindern einen ständigen grammatikalischen wortschatzerweiternden Aspekt. Sie werden so bildlich gesehen täglich in ein „Sprachbad“ getaucht.

    Die Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit

    Das „Kindernest“ gibt Ihrem Kind einen Raum zur Entwicklung seiner individuellen Fähigkeiten entsprechend seiner Lern-, Entwicklungs- und Bildungsbedürfnisse.
    Durch die Kombination von Kinderkultur, die Lernkultur und die Kultur des Miteinanders ergeben sich drei Schwerpunkte: Das Freispiel, das Angebot und Projekt und Partipation im Kindernest.
    Das Freispiel
    Wichtig ist uns, dass das selbstbestimmte Lernen im Mittelpunkt steht. Dabei erhält gerade das Freispiel einen großen Stellenwert. Die Kinder sollen nach ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen handeln können und darin angemessen unterstützt werden. Auch das Zulassen der Bewegung im Kindernest ist uns wichtig.
    Insgesamt legen wir besonderen Wert auf die Selbstständigkeit der Kinder. Natürlich wird dabei auf die Altersentwicklung der Kinder geachtet. Daher lautet das Motto im Kindernest: „Kindern helfen, es selbst zu tun.“
    Im Freispiel können Kinder miteinander, aber auch alleine spielen. Sie können sich mit eigenen Themen und Interessen beschäftigen und nach ihren eigenen Bedürfnissen individuell tätig sein. Die Kinder haben die freie Wahl des Spielorts, des Spielpartners, des Spielmaterials und der Spieldauer. Über das Spiel werden vielfältige Kompetenzen gefördert.
    Im Freispiel geht es um Spaß, und nicht darum, ein sichtbares, vorzeigbares Ergebnis zu erreichen. Die Kinder können sich im Freispiel eigenverantwortlich und nach ihrem individuellen Rhythmus entwickeln. Sie lernen spielerisch soziale Dinge wie streiten, sich wieder vertragen, teilen, Rücksicht nehmen und sich sozial durchzusetzen. Dieser wichtige Prozess kann jedoch nur dann stattfinden, wenn wir Erwachsene uns zurückhalten und ihn zulassen – das kostet oft mehr Energie, als sich aktiv einzumischen.
    Nur wenn wir spüren, dass die Kinder von einer Situation überfordert sind, oder dass sie die eigenen Grenzen nicht mehr spüren, mischen wir uns helfend ein. Wir versuchen dann, ihnen ihre Gefühle und ihr Handeln deutlich zu machen und ihnen zu helfen, eine Lösung zu finden.
    Bei uns nimmt das Freispiel einen – auch zeitlich – großen Raum ein. Durch die Vielfalt von Tätigkeitsprozessen im Wahrnehmen, Bewegen, Handeln, Reden und Spielen können die Kinder einen
    grundlegenden Aufbau ihrer Persönlichkeit erfahren. Gerade durch solche Erfahrungen sind sie für die komplizierte Welt, die auf sie wartet, am besten gerüstet.
    Wir als pädagogische Fachkräfte beobachten und unterstützen die Kinder. Die Beobachtung der Kinder dient auch dem nächsten Schwerpunkt, der Angebote und Projekte.
    Angebote und Projekte
    Die im Freispiel beobachteten Themen und Interessen von Kindern können in Angeboten und Projekten aufgegriffen werden. Dabei können die Kinder ihre Themen vertiefen und erweitern. Außerdem kann ihnen auch etwas Neues angeboten werden, was somit als Anregung dient.
    Die Inhalte der Angebote ermöglichen es den Kindern, neue Fähigkeiten zu erlernen, die dann im Freispiel selbstständig umgesetzt werden können, wie z.B. das Einführen eines neuen Materials oder neuer Spielmöglichkeiten. Hier können auch gezielt die einzelnen Entwicklungsbereiche gefördert und unterstützt werden.
    Ein weiterer Schwerpunkt ist die Partizipation, die im Zusammenhang mit den bereits beschriebenen Schwerpunkten steht!
    Partizipation
    Bei der offenen Arbeit sollen Kinder in allen Bereichen möglichst viel Beteiligung, Mitverantwortung und Mitspracherecht erhalten. Die Kinder sollen der täglichen Gestaltung mitwirken können. Regeln werden gemeinsam festgelegt. Hier wird natürlich der individuelle Entwicklungsstand der Kinder berücksichtigt.
    Kinder sollen sich äußern dürfen, und sie werden mit ihren Aussagen ernst genommen und unterstützt.
    Jeden Tag in der Kinderbesprechung werden zum Beispiel gemeinsam entschieden, welche Fingerspiele oder Kreispiele gespielt werden.

    Bildungs- und Entwicklungsbereiche im Kindernest

    Beim sogenannten „ganzheitliches Lernen“ unterstützen wir das Kind spielerisch in
    • der motorischen Entwicklung ( im Bildungs- und Entwicklungsbereich „Körper“),
    • der Wahrnehmung (im Bildungs- und Entwicklungsbereich „Sinne“),
    • der sprachlichen Entwicklung (im Bildungs- und Entwicklungsbereich „Sprache“),
    • der kognitiven Entwicklung (im Bildungs- und Entwicklungsbereich „Denken“),
    • dem emotionalen Bereich (im Bildungs- und Entwicklungsbereich „Gefühl und Mitgefühl“) und in
    • dem Bildungs- und Entwicklungsbereich „Sinn, Werte und Religion“.
    Nach dem „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten“ spielen die oben genannten 6 Bildungs- und Entwicklungsbereiche für die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation des Kindes von Geburt an eine sehr wichtige Rolle. Deshalb bilden diese Bildungs- und Entwicklungsbereiche unsere pädagogischen Schwerpunkte. Sie sollen im Folgenden noch näher erläutert werden. Bildungs- und Entwicklungsbereich: Körper „Das Kind erschließt sich seine Welt aktiv, mit allen Sinnen und vor allem in Bewegung. Es erprobt sich und seine Fähigkeiten, nimmt über Bewegung Kontakt zu seiner Umwelt auf und entdeckt, erkennt und versteht so seine soziale und materiale Umwelt. Damit werden körperliches Gleichgewicht und die kognitive und seelische Entwicklung gefördert.“ (OP 2015) Ziel ist es im Kindernest, dass Ihr Kind
    • seinen Körper erfährt und ein Gespür für seine Fähigkeiten entwickelt,
    • seine konditionellen und koordinativen Fertigkeiten und Fähigkeiten ausbaut,
    • seine grobmotorischen Fertigkeiten und Fähigkeiten erweitert und verfeinert,
    • seine fein- und graphomotorischen Fertigkeiten und Fähigkeiten ausdifferenziert und erweitert, und
    • seinen Körper als Darstellungs- und Ausdrucksmittel für Kunst, Musik und Tanz, darstellendes Spiel und Theater erfährt.
    Beispiele für die Pädagogische Umsetzung der Ziele
    • Unterschiedliche Materialien werden in der Lernwerkstatt zur Verfügung gestellt, die zum Bewegen anreizen.
    • Angemessen wird auf Bewegungsbedürfnisse der Kinder eingegangen.
    • Das Kind wird ermutigt, sich etwas Neues zuzutrauen und dabei seine körperlichen Fähigkeiten zu erweitern.
    • Vielfältige Anregungen werden geschaffen, die zur Entwicklung der Grob- und Feinmotorik Ihres Kindes beitragen.
    • Wir bieten den Kindern Raum und Gelegenheit, den eigenen Körper zu erproben und zu entdecken.
    • Wir regen die Kinder zur Eigenaktivität an.
    Bildungs- und Entwicklungsbereich: Sinne
    „Kinder nehmen ihre Umwelt über ihre Sinne wahr und erforschen und entdecken die Welt durch Sehen, Beobachten, Hören, Fühlen, Tasten, Riechen, Schmecken. Trinken und Essen als elementares frühkindliches Erleben sind mit vielfältigen Sinneserfah- rungen verknüpft. Kinder erleben beim aktiven Prozess des Wahrnehmens die Welt in ihrer Differenziertheit, versuchen sich darin zu orientieren und sie zu begreifen.“ (ebd.) Ziel im Kindernest ist,
    • die Sinne des Kindes zu entwickeln, schärfen und zu schulen, wie z.B. hören, sehen, riechen, tasten, schmecken,
    • die Bedeutung und Leistung der Sinne zu erfahren,
    • durch die Sinne Orientierungs-, Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeit zu erlangen und zu lernen.
    Beispiele für die pädagogische Umsetzung dieser Ziele
    • Das Kind bekommt vielfältige Gelegenheit zu ganzheitlich sinnlichen Erfahrungen.
    • Das Kind bekommt über verschiedener Erfahrungsfelder wie Alltag, Musik, Kunst, Medien, Spielsachen und Natur vielfältige Gelegenheiten zu sinnlich wahrnehmbaren Erfahrungen.
    • Das Kind erforscht, experimentiert, probiert aus und erlebt auf verschiedenen Erfahrungsfeldern wie beispielsweise im Alltag, in der Musik, in der Kunst, über Spielsachen und in der Natur mit all seinen Sinnen.
    • Ergänzend werden z.B. sogenannte „Kim-Spiele“ eingesetzt.
    Bildungs- und Entwicklungsbereich: Sprache „Die Beherrschung der Sprache, zuerst gesprochen, später auch als Schrift, ist Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und entscheidend für alle Lernprozesse innerhalb und außerhalb von Kindergarten und Schule. Sprechen lernt man aber nur durch sprechen. Kindern die Sprache zu geben heißt, sich ihnen zuwenden, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu sprechen, Zeit mit ihnen zu verbringen, heißt, Ihnen ein Übungsfeld für Sprache zu geben. Der Erwerb der Sprache ist ein Wechselwirkungsprozess zwischen Eigenproduktion und förderlichen Anstößen durch Bezugspersonen und auch andere Kinder.“ (ebd.) Ziel im Kindernest ist,
    • die nonverbalen und verbalen Ausdrucksmöglichkeiten des Kindes zu erweitern und zu verbessern,
    • durch die Verknüpfung von Sprache mit Musik, rhythmisches Sprechen und Bewegung die Sprachkompetenzen des Kindes zu erweitern,
    • dass das Kind vielfältige Ausdruckmöglichkeiten erfährt und umsetzt,
    • dass die Freude an der Kommunikation mit anderen erhalten bleibt, und
    • dass das Kind die Schrift, z.B. durch Bilderbücher kennenlernt und sie einsetzt.
    Beispiele für die pädagogische Umsetzung
    • das Kind wird liebevoll und herzlich begrüßt,
    • dem Kind wird Gelegenheit und Zeit und Raum gegeben, von sich zu erzählen oder sich auszudrücken,
    • die Muttersprache Ihres Kindes wird von uns wertgeschätzt,
    • auf die Erzählungen Ihres Kindes wird individuell und angemessen eingegangen,
    • es werden regelmäßig gemeinsame Bilderbuchbetrachtungen gemacht,
    • es werden Gelegenheiten geschafft, gemeinsam Lieder zu singen, kleine Gedichte, Abzählverse, Zungenbrecher usw. zu sprechen, um die Sprachentwicklung des Kindes zu fördern,
    • das Kind wird angeregt, mit Sprache zu spielen, wie z.B. durch Silben klatschen, rhythmisch sprechen oder Silben reimen usw.,
    • sprachlich begleiten wir das Kind im Alltag und im Umgang mit anderen Kindern,
    • das Kind bildet seinen Sprachschatz und größeres Sprachverständnis, indem wir mit ihm im „Nest der kleinen Entdecker“ „sprachlich“ sehr aktiv sind.
    Alle im „Kindernest“ setzen ihre Sprache im Alltag sehr bewusst ein. Es ist uns wichtig, im gesamten Alltag Situationen zu schaffen, die die Kommunikation fördern. Wir holen die Kinder da ab, wo sie stehen. Wir machen die Kinder nicht auf ihre Fehler aufmerksam, sondern wir wiederholen einen verkehrten Satz grammatikalisch richtig. Durch unsere vielfältigen Spielangebote und unsere intensive Kleingruppenarbeit ermöglichen wir den Kindern eine Erweiterung ihres Wortschatzes.
    Es werden je nach Bedarf auch Sprachförderprogramme im Kindernest angeboten.
    Bildungs- und Entwicklungsfeld: Denken
    „Kinder besitzen bereits sehr früh erstaunliche Fähigkeiten im Wahrnehmen und Denken. Schon mit sechs Monaten können sie Ursache-Wirkung-Zusammenhänge (z.B. wenn strampeln- dann Bewegung) erkennen und erinnern. Die Entwicklung der Sprache katapultiert das Denken des Kindes weiter nach vorne. Jeder kennt die Neigung kleiner Kinder, unaufhörlich nach Ursachen zu fragen. Diese „Warum-Fragen“ (und ihre Antworten) sind wichtig, damit sich das Kind Ereignisse erklären kann.“ (ebd.) Ziel im Kindernest ist, dass Ihr Kind
    • seine Umgebung genau beobachtet, Vermutungen aufstellt und diese überprüft,
    • die Muster und Symbole, um sein Umfeld zu erfassen, erkennt,
    • Mengenvorstellungen entwickelt und Ziffern erkennt,
    • den Tagesablauf und dessen Rituale und Regeln erkennt und verinnerlicht,
    • Fragen stellt und nach Antworten sucht,
    • seine eigenen Ideen verfolgt und umsetzt,
    • Freude am Mitdenken hat, und
    • seinen Vorstellungen, Träumen und Wünschen einen ästhetischen Ausdruck gibt.
    Beispiele für die pädagogische Umsetzung
    • Das Kind erhält im Kindernest vielfältige Gelegenheiten, unterschiedliche Materialien zu erforschen und sich mit einer Sache auseinander zu setzen, um zu eigenen „Aha-Erlebnissen“ zu gelangen. Dazu wecken wir die Begeisterung des Kindes.
    Durch die Beobachtung des Kindes können „Aha-Erlebnisse“ bemerkt und sozusagen „gefeiert“ werden.
    • das Kind wird zum Mitdenken ermutig und ermuntert (z.B. beim Aufräumen: Wohin kommt das Auto, wo ist die Mülleimer usw.)
    • das Kind erwirbt mathematische Vorkenntnisse, indem es Erfahrungen z.B. mit Formen und Farben, Mengen, Zahlen und Maßen macht (Z.B. in der Kinderbesprechung zählt ein Kind die Kinder)
    Bildungs- und Entwicklungsfeld: Gefühl und Mitgefühl
    „Menschliches Handeln ist begleitet von Emotionen. Sie gehören zum täglichen Erleben und der Umgang mit ihnen will gelernt sein. Mit dieser Fähigkeit wird niemand geboren. Genauso wie ein Kind lernen muss, auf zwei Beinen zu stehen, eine Tasse festzuhalten oder einen Dreiwortsatz zu sagen, so muss ein Kind auch lernen, mit Gefühlen umzugehen.“ (ebd.) Ziel im Kindernest ist, dass ihr Kind
    • ein Bewusstsein für die eigenen Emotionen entwickelt,
    • einen angemessenen, sozialverträglichen Umgang mit den eigenen Emotionen entwickelt,
    • sich Einfühlungsvermögen und Mitgefühl aneignet, Wertschätzung entwickelt und die Gefühle anderer Menschen wahrnimmt und angemessen auf sie reagiert, und
    • Einfühlungsvermögen und Mitgefühl gegenüber Tieren und Natur entwickelt.
    Beispiele für die pädagogische Umsetzung Unsere Aufgabe ist es, für eine gute Grundstimmung zu sorgen:
    • Wir schaffen eine Atmosphäre, in der das Kind Freude und Geborgenheit erlebt, in der das Kind auch uns seine Ängste und Sorgen mitteilen kann.
    • Wir begegnen den Kindern freundlich und zeigen ihnen, dass sie bei uns willkommen sind. Dadurch steigt ihr Selbstwertgefühl.
    • Wir geben dem Kind einen Raum, ihre Gefühle auszudrücken. Für Kinder ist es wichtig, alle ihre Gefühle, auch Wut und Zorn, leben zu dürfen und sich trotzdem angenommen zu fühlen. Das Trösten ist somit auch sehr bedeutsam für die Kinder.
    • Die Kinder erfahren, wie sie anderen Kindern eine Freude machen können.
    • Durch intensive Gespräche bekommt das Kind die Möglichkeit, die Gefühle von anderen zu erkennen. Das Kind kann erfahren, wie es erkennen kann, ob sich jemand z.B. freut oder ärgert, ob er traurig ist oder ob er Angst hat.
    • Wir setzen da Grenzen, wo eindeutig die Bedürfnisse anderer verletzt werden.
    Dieses Vorgehen gibt den Kindern eine sichere Struktur, da sie wissen wollen, was geht, und was nicht.
    Bildungs- und Entwicklungsbereich: Sinn, Werte und Religion
    „Kinder begegnen der Welt grundsätzlich offen und entwickeln vom ersten Lebenstag an in der Interaktion Vorstellungen von sich selbst, der Welt und dem Leben mit anderen. So wird das eigene Erleben, Denken, Urteilen, und Handeln zunehmend ausgeformt. Dabei müssen sie mit der Fülle von Eindrücken, Erfahrung, Anforderungen und Begegnungen zurechtkommen. Hierzu bedarf es eines Sinnhorizontes und eines Wertegefüges, um ihre Lebenswelt strukturieren und ihrem Handeln nachhaltig Orientierung geben zu können. In der Auseinandersetzung mit ihren Bezugspersonen bauen Kinder Werthaltungen und Einstellungen auf und entwickeln so ihre eigene Persönlichkeit.“ (ebd.) Ziel im Kindernest ist, dass ihr Kind
    • angenommen und geborgen ist – auch mit seinem religiösen bzw. weltanschaulichen Prägungen, Haltungen und Meinungen,
    • seine religiösen bzw. weltanschaulichen Wurzeln kennt, und
    • die christliche Prägung unserer Kultur kennenlernt.
    Beispiele für die pädagogische Umsetzung
    • Die Kinder erfahren die Bedeutung der Feste wie z.B. Weihnachtsfeier und Osterfeier im Jahreskreis,
    • es werden den Kindern Möglichkeiten geboten, sich Ihrer Entwicklung gemäß an der Werte- und Normenbildung für die Gruppe, an der Themenbindung für Projekte und an der Gestaltung des Lebens im Kindernest zu beteiligen,
    • die Kinder lernen zwischen erwünschtem und unerwünschtem Verhalten zu unterscheiden. (z.B. gut und böse, richtig und falsch, angemessen und unangemessen),
    • für das Kind gibt es Möglichkeiten und Hilfestellungen, Verantwortung zu übernehmen.

    Rolle des Pädagogen

    Man muss einzig und allein das Wohl des Kindes, die Entwicklung und Vervollkommnung aller Seiten seiner Persönlichkeit im Auge haben. (Maria Montessori 2011: S.41)
    Der pädagogischen Fachkräfte werden nach Reggio Emilia drei wesentliche Rollen zugewiesen: Sie ist
    Begleiterin
    Forscherin
    Zeugin
    Mit den Kindern gemeinsam ihre Wege zu gehen. Ihnen die für ihren Weg benötigten Werkzeuge und Materialien zu geben. (vgl. Kinderwelt (pdf.): S. 21)